In verschiedenen Dokumenten wie Produktinformationsblättern, Energieetiketten, technischen Unterlagen und Prüfberichten müssen teilweise die gleichen Parameter angegeben werden. Die in diesen Dokumenten angegebenen Werte für die Parameter sind jedoch nicht immer identisch.
Als Lieferant müssen Sie zwischen diesen Werten unterscheiden:
- Messwerte
- Deklarierte Werte
- Veröffentlichte Werte
- Ermittelte Werte
Anzugebende Messwerte in Prüfberichten
Grundlage für die Erstellung der Produktdokumentation sind verschiedene Prüfberichte. Für jedes Produktmodell, das auf die Einhaltung einer bestimmten Verordnung geprüft wird, müssen ein oder mehrere Prüfberichte erstellt werden. Diese Berichte müssen alle Verpflichtungen in allen EU-Verordnungen abdecken, die für das jeweilige Produkt gelten. Im Idealfall werden die Produkte von einem akkreditierten Prüflabor geprüft, aber auch Eigenprüfungen sind möglich. Die in den Prüfberichten angegebenen Werte werden als „Messwerte“ bezeichnet.
Anzugebende deklarierte Werte in der technischen Dokumentation
Auf der Grundlage der Prüfberichte, die die gemessenen Werte enthalten, erstellt der Lieferant die technische Dokumentation. Die in der technischen Dokumentation angegebenen Werte sind „deklarierte Werte“.
Der Lieferant kann frei entscheiden, ob er genau die gemessenen Werte aus dem Prüfbericht oder weniger günstige Werte deklariert. D.h., wenn der Wirkungsgrad eines Produktes laut Prüfbericht 90% beträgt, kann der Lieferant 90% oder z.B. 89% deklarieren. Die Angabe günstigerer Werte als die gemessenen (in diesem Fall z.B. 91%) würde zu einer formalen Nicht-Konformität der Dokumentation führen. Die technische Dokumentation mit den angegebenen Werten sind nur für die Marktüberwachungsbehörden, nicht aber für andere Marktteilnehmer zugänglich.
Veröffentlichte Werte auf dem Etikett und dem Produktinformationsblatt
Die Verbraucher sehen nur die Werte, die auf dem Produktinformationsblatt und auf dem Etikett angegeben sind. Diese Werte werden als „veröffentlichte Werte“ bezeichnet. Auch hier kann der Lieferant entscheiden, Werte zu veröffentlichen, die den deklarierten Werten entsprechen oder ungünstiger sind.
Ermittelte Werte bei Prüfungen durch die MSA
Ein „ermittelter Wert“ ist ein Wert, der im Rahmen einer Prüfung durch die MSA gemessen wurde - entweder im Prüflabor im Auftrag der MSA oder durch eine interne Prüfung der MSA. Technisch gesehen ist ein ermittelter Wert dasselbe wie ein oben beschriebener Messwert. Die ermittelten Werte dienen jedoch speziell der Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften durch die MSA.
Bei dem von den MSA angewandten Überprüfungsverfahren werden bestimmte Toleranzen angewandt, die in der jeweiligen Produktvorschrift festgelegt sind (siehe Anhang „Überprüfungsverfahren für Marktüberwachungszwecke“ in den produktspezifischen Vorschriften). Die angegebenen Toleranzen sind nur für die Marktüberwachung bestimmt und dürfen nicht für die Deklaration von Werten durch die Lieferanten verwendet werden.
Bei Marktüberwachungskontrollen vergleichen die MSAs die ermittelten Werte mit den vom Lieferanten deklarierten Werten. Wird bei diesem Vergleich die in der Ökodesign- oder Energiekennzeichnungsverordnung festgelegte Toleranz überschritten, handelt es sich um eine formale Nicht-Konformität.
Wird die Mindestanforderung noch erfüllt, kann die MSA den Lieferanten auffordern, den Wert neu zu deklarieren, d. h. das Produkt kann auf dem Markt bleiben. Wenn der neue „deklarierte Wert“ ungünstiger ist als der „veröffentlichte Wert“, muss auch der veröffentlichte Wert geändert werden.
Liegt ein von der Marktüberwachung gemessener „ermittelter Wert“ außerhalb der Toleranzschwelle und erfüllt gleichzeitig nicht die in der Ökodesign-Verordnung festgelegten Mindestanforderungen, ist das Produkt technisch nicht konform. Die zuständige MSA kann den Lieferanten auffordern, das Produkt technisch zu überarbeiten oder es vom EU-Markt zu nehmen.
Wenn ein deklarierter Wert die Ökodesign-Mindestanforderung erfüllt, der ermittelte Wert jedoch nicht, aber die Differenz zwischen den beiden Werten innerhalb der Toleranz liegt, ist das Produkt konform.
Die MSAs kommunizieren untereinander über ein System namens ICSMS. In dieses System geben die MSAs die Ergebnisse ihrer Inspektionen ein. Die Einträge sind für alle MSAs in der EU sichtbar. Dadurch wird sichergestellt, dass insbesondere Ergebnisse von nicht konformen Produkten, die in einem Mitgliedstaat festgestellt wurden, in der gesamten EU durchgesetzt werden können.